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Keine Angst beim Kinderarzt
AdobeStock/Andreas Koch
Symbolbild

Mit guter Vorbereitung, ehrlichen Erklärungen und kleinen Tricks wird der Arztbesuch für Kinder deutlich entspannter.

Besuche beim Kinderarzt gehören wohl für niemanden zur Lieblingsbeschäftigung, für Babys und Kleinkinder können sie allerdings zur Tortur werden. Aus Angst vor Schmerzen, ungewohnten Situationen oder komisch schmeckenden Medikamenten ist die Stimmung bei den Kleinen oft angespannt. Was Sie tun können, damit die Untersuchung beim Doktor entspannt abläuft und welche Kriterien eine Kinderarzt-Praxis erfüllen sollte.

Ein Termin beim Kinderarzt kann für Familien schnell zur Stressprobe werden: Das Kind klammert, weint schon im Wartezimmer oder fragt immer wieder, ob es eine Spritze bekommt. Für Eltern ist das belastend – und manchmal führt die Angst sogar dazu, dass wichtige Termine verschoben werden. Dabei lassen sich viele Sorgen deutlich reduzieren. Entscheidend sind eine ruhige Vorbereitung, ehrliche Erklärungen und das Gefühl: „Mama oder Papa bleiben bei mir.“

Gut beraten

Besonders bei Impfungen gibt es gut untersuchte Methoden, die Schmerz und Stress verringern können – von Ablenkung über die richtige Körperhaltung bis hin zu Schmerzpflastern in geeigneten Fällen. In Ihrer Apotheke finden Sie kompetente Beratung.

Warum Kinder Angst vor dem Kinderarzt haben

Für Erwachsene ist der Kinderarztbesuch oft Routine. Für Kinder ist er etwas ganz anderes: fremde Räume, unbekannte Geräte, ein Stethoskop auf der Haut, eine Lampe im Ohr, vielleicht ein Holzspatel im Mund – und manchmal eben auch ein Pieks. Vor allem jüngere Kinder können noch nicht gut einschätzen, was gleich passiert und wie lange etwas dauert. Das macht die Situation unberechenbar.

Dazu kommt: Ein Arztbesuch findet häufig dann statt, wenn das Kind ohnehin krank, müde oder reizbar ist. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) weist darauf hin, dass ein akuter Arztbesuch anders erlebt wird als eine planbare Vorsorgeuntersuchung: Wartezeiten, viele Menschen, unangenehme Untersuchungen oder Schmerzen können sich einprägen, wenn Kinder nicht vorbereitet werden.

Angst ist dabei nicht automatisch ein Problem. Sie ist zunächst eine normale Schutzreaktion. Schwierig wird es, wenn sie so groß wird, dass Untersuchungen kaum möglich sind oder Termine vermieden werden. Besonders Spritzenangst ist bei Kindern verbreitet: Eine Übersicht, die der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte aufgreift, nennt für starke Angst beziehungsweise Phobie vor Spritzen etwa 19 Prozent bei Vier- bis Sechsjährigen und 11 Prozent bei Zehn- bis Elfjährigen. Schätzungsweise 3,5 bis 10 Prozent der Bevölkerung leiden unter Spritzenangst. (Quelle: Kinderaerzte im Netz)

Der wichtigste Hebel: Eltern geben Sicherheit

Kinder lesen die Stimmung ihrer Eltern sehr genau. Wer selbst angespannt ist, immer wieder fragt „Hast du Angst?“ oder den Termin dramatisch ankündigt, verstärkt ungewollt die Unsicherheit. Das heißt nicht, dass Eltern ihre eigene Sorge verstecken müssen. Hilfreicher ist eine ruhige, klare Haltung: „Wir gehen zur Ärztin. Sie schaut, warum du hustest. Ich bleibe die ganze Zeit bei dir.“

Das BIÖG formuliert es sehr praktisch: Das eigene Gefühl von Sicherheit und Vertrauen der Eltern ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass auch das Kind Vertrauen entwickeln kann.

Wichtig ist außerdem Ehrlichkeit. Sätze wie „Das tut gar nicht weh“ klingen beruhigend, können aber nach hinten losgehen. Wenn es doch piekst, verliert das Kind Vertrauen. Besser ist: „Es kann kurz pieksen. Du darfst meine Hand drücken, und danach ist es schnell vorbei.“ Genau diese ehrliche Vorbereitung empfehlen auch die öffentlichen Informationen zum stress- und schmerzarmen Impfen.

Vor dem Termin: vorbereiten, aber nicht aufbauschen

Ein Kinderarzttermin sollte weder geheim gehalten noch zum großen Drama gemacht werden. Gute Vorbereitung bedeutet: altersgerecht erklären, was wahrscheinlich passiert. Bei Kleinkindern reicht oft ein kurzer Satz am Vortag oder am Morgen: „Heute schaut der Arzt in deine Ohren und hört dein Herz ab.“ Kindergarten- und Schulkinder können etwas genauer wissen, was auf sie zukommt.

Sehr hilfreich sind Rollenspiele. Das Kind darf den Teddy abhören, dem Kuscheltier in den Hals schauen oder ein Pflaster aufkleben. So wird aus dem Unbekannten etwas Vertrautes. Auch Bilderbücher über den Arztbesuch können helfen. Das BIÖG nennt ausdrücklich Vorlesen, Geschichten und das „Verarzten“ eines Schmusetiers als Möglichkeiten, Kinder spielerisch vorzubereiten.

Gut ist auch, dem Kind eine kleine Wahl zu lassen: „Möchtest du den Teddy oder den Hund mitnehmen?“ Oder: „Willst du auf meinem Schoß sitzen oder neben mir?“ Kontrolle reduziert Angst. Die Entscheidung sollte aber echt und begrenzt sein. Nicht sinnvoll ist die Frage: „Willst du zum Arzt?“ – denn wenn der Termin notwendig ist, kann das Kind darüber nicht entscheiden.

Im Wartezimmer: Ruhe statt Dauerprogramm

Viele Kinder werden im Wartezimmer unruhig, weil dort die Spannung steigt. Eltern können vorbeugen, indem sie etwas Vertrautes mitnehmen: ein kleines Buch, ein Kuscheltier, ein ruhiges Spiel, bei älteren Kindern Kopfhörer mit Musik. Nicht jedes Kind braucht Ablenkung durch ein Display, aber wenn ein kurzes Video hilft, eine Impfung oder Blutabnahme zu bewältigen, kann das pragmatisch sinnvoll sein.

Gleichzeitig sollten Eltern vermeiden, den Termin ständig zu kommentieren. Sätze wie „Gleich ist es vorbei“, wenn noch gar nichts passiert ist, halten die Aufmerksamkeit auf der Angst. Besser: „Wir warten noch kurz. Such dir schon mal aus, welches Buch wir anschauen.“

Während der Untersuchung: Nähe ist erlaubt

Viele Eltern glauben, ihr Kind müsse beim Kinderarzt „tapfer“ allein auf der Liege sitzen. Das stimmt nicht. Nähe ist oft die beste Medizin gegen Angst. Bei Impfungen empfiehlt das BIÖG, dass Kinder unter 10 Jahren von einem Elternteil begleitet werden. Kinder bis etwa drei Jahre sollten am besten auf dem Arm oder Schoß gehalten werden; Kinder ab drei Jahren sitzen idealerweise während der Impfung, zum Beispiel ebenfalls auf dem Schoß der Eltern.

Auch bei normalen Untersuchungen darf das Kind häufig auf dem Schoß bleiben, wenn die Ärztin oder der Arzt damit arbeiten kann. Eltern können vorher fragen: „Kann sie erst bei mir sitzen bleiben?“ Oft klappt das besser, als ein weinendes Kind auf die Liege zu legen.

Wichtig: Festhalten sollte Sicherheit geben, aber nicht wie ein Kampf wirken. Wenn ein Eingriff notwendig ist, braucht das Praxisteam manchmal Unterstützung. Trotzdem hilft es, dem Kind vorher zu sagen, was passiert: „Ich halte deinen Arm ruhig, damit es schnell geht. Ich lasse dich nicht allein.“

Wenn eine Impfung ansteht: Schmerz lässt sich reduzieren

Impfungen sind medizinisch wichtig, können aber Angst auslösen – nicht nur beim Kind, auch bei Eltern. Stress und Schmerzen lassen sich nachweislich verringern. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Impfschmerz als häufige Sorge von Eltern und empfiehlt Maßnahmen zur Schmerzminderung als Teil guter Impfpraxis.

Für Kinder sind einfache Maßnahmen oft entscheidend. Unter sechs Jahren helfen Ablenkungen wie Seifenblasen, ein Lieblingsspielzeug, Vorlesen, Musik, Videos oder Gespräche. Das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG) nennt diese Möglichkeiten ausdrücklich für die Zeit kurz vor oder nach der Impfung.

Auch wissenschaftliche Übersichtsarbeiten stützen Ablenkung: Eine Cochrane-Auswertung zu psychologischen Strategien bei Nadelprozeduren fand 59 Studien mit 5.550 Kindern und Jugendlichen. Hilfreich waren unter anderem Ablenkung, Hypnose, bestimmte Atemtechniken und kombinierte verhaltenstherapeutische Strategien; die Qualität der Evidenz wurde allerdings als niedrig bis sehr niedrig bewertet.

Bei Babys kann Stillen kurz vor oder direkt nach der Impfung beruhigen; ersatzweise kann ein Schnuller helfen. Für nicht gestillte Kinder unter zwei Jahren kann nach Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt kurz vor der Impfung eine kleine Menge süße Flüssigkeit infrage kommen.

Schmerzpflaster: sinnvoll, aber richtig anwenden

Viele Eltern fragen in der Apotheke nach betäubenden Pflastern oder Cremes. Das kann in passenden Fällen sinnvoll sein, besonders bei ausgeprägter Spritzenangst. Das BIÖG nennt Schmerzpflaster oder Cremes als Option in Einzelfällen und weist darauf hin, dass sie meist 30 bis 60 Minuten vor der Impfung einwirken müssen. Eltern sollten vorher mit Praxis oder Apotheke klären, welches Präparat geeignet ist, wohin es geklebt wird und ob Alter, Hautzustand oder Vorerkrankungen etwas dagegen sprechen.

Wichtig: Schmerztabletten vor oder während der Impfung werden zur Schmerzreduktion nicht empfohlen, sofern sie nicht aus einem anderen medizinischen Grund ärztlich verordnet wurden. Ebenfalls nicht empfohlen sind Reiben oder Kneifen der Impfstelle.

Nach dem Termin: nicht nur loben, sondern einordnen

Nach dem Arztbesuch ist die Geschichte noch nicht vorbei. Wie Eltern danach darüber sprechen, beeinflusst den nächsten Termin. Statt nur „Du warst aber tapfer“ zu sagen, ist konkretes Lob besser: „Du hast meine Hand gedrückt und ruhig geatmet. Das hat gut geklappt.“ So merkt das Kind, welche Strategie geholfen hat.

Wenn etwas schwierig war, sollte man es nicht wegwischen. „Ja, der Pieks war blöd. Und du hast es geschafft.“ Das nimmt die Angst ernst, ohne sie größer zu machen. Kleine Rituale können helfen: ein Sticker, ein gemeinsamer Kakao, ein kurzer Spielplatzbesuch. Die Belohnung sollte aber nicht wie Bestechung wirken, sondern wie ein Abschluss: „Jetzt machen wir etwas Schönes, weil der Termin geschafft ist.“

Wenn Angst sehr stark ist

Manche Kinder geraten schon Tage vorher in Panik, schlafen schlecht oder verweigern die Praxis komplett. Dann reicht gutes Zureden oft nicht. Bei ausgeprägter Spritzenphobie oder starker Arztangst kann psychologische Unterstützung sinnvoll sein. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt:innen e.V. (BVKJ) weist darauf hin, dass bei Phobien eine Psychotherapie helfen kann. Eltern sollten außerdem mit der Kinderarztpraxis sprechen. Viele Praxen haben Erfahrung mit ängstlichen Kindern und können längere Termine, ruhigere Zeitfenster oder eine schrittweise Annäherung ermöglichen.

Angstfrei zum Kinderarzt kurz & knapp

Angst vor dem Kinderarzt ist kein Zeichen von „Unvernunft“, sondern für Kinder oft eine nachvollziehbare Reaktion auf eine ungewohnte Situation. Eltern können aber viel tun: ruhig bleiben, ehrlich erklären, Nähe geben, kleine Wahlmöglichkeiten anbieten und den Besuch spielerisch vorbereiten. Besonders bei Impfungen gibt es einfache Maßnahmen, die Stress und Schmerzen verringern können – etwa Sitzen auf dem Schoß, Ablenkung, Stillen bei Babys oder in geeigneten Fällen ein Schmerzpflaster. Wichtig ist, falsche Versprechen zu vermeiden. Ein Kind, das weiß „es kann kurz pieksen, aber ich bin nicht allein“, geht meist sicherer in den Termin.

Ihre Apotheke unterstützt Sie gern bei der Vorbereitung: vom passenden Fieberthermometer über kindgerechte Arzneiformen bis zur richtigen Anwendung von Schmerzpflastern oder Cremes. Bringen Sie Ihre Fragen einfach mit – besonders, wenn Ihr Kind schon schlechte Erfahrungen gemacht hat oder große Angst vor Spritzen hat.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Besuch beim Kinderarzt

Soll ich meinem Kind vorher sagen, dass es eine Spritze bekommt?

Ja, wenn eine Impfung oder Blutabnahme wahrscheinlich ist. Kinder sollten altersgerecht und ehrlich vorbereitet werden. Besser als „Das tut nicht weh“ ist: „Es kann kurz pieksen, aber ich bin bei dir.“ Falsche Versprechen können Vertrauen beschädigen.

Was hilft akut gegen Angst im Wartezimmer?

Hilfreich sind vertraute Gegenstände, ruhige Ablenkung und Nähe. Ein Buch, Kuscheltier, Musik oder ein kleines Spiel können die Wartezeit überbrücken. Wichtig ist, nicht ständig über den bevorstehenden Pieks oder die Untersuchung zu sprechen.

Darf mein Kind bei der Impfung auf meinem Schoß sitzen?

Ja, das ist oft sogar hilfreich. Kinder bis etwa drei Jahre sollten bei Impfungen am besten auf dem Arm oder Schoß gehalten werden. Kinder ab drei Jahren sitzen am besten während der Impfung, ebenfalls gern auf dem Schoß der Eltern.

Helfen Schmerzpflaster vor Impfungen wirklich?

Sie können in geeigneten Fällen helfen, müssen aber richtig angewendet werden. Meist brauchen sie 30 bis 60 Minuten Einwirkzeit. Die richtige Stelle, das passende Präparat und mögliche Einschränkungen sollten vorher mit Praxis oder Apotheke geklärt werden.

Wann sollte ich trotz Angst unbedingt zum Kinderarzt?

Wenn Eltern unsicher sind, Symptome nicht einordnen können, starke Beschwerden auftreten oder auffällige körperliche Zeichen dazukommen, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Das BIÖG empfiehlt: lieber einmal zu viel als zu wenig in der kinderärztlichen Praxis nachfragen.

Der „Arztbesuch-Beutel“

Bereiten Sie einen kleinen Beutel vor, der nur für Arzttermine gedacht ist. Hinein kommen ein kleines Buch, ein leises Spielzeug, Taschentücher, etwas zu trinken, der Impfpass, das gelbe Kinderuntersuchungsheft und – falls mit Praxis und Apotheke abgestimmt – ein geeignetes Schmerzpflaster. Der Beutel spart Stress, weil vor dem Termin nicht alles zusammengesucht werden muss.


Verfasst und geprüft von der APOVENA Fachredaktion in Zusammenarbeit mit der Apotheke auf der Heide in Stolberg . Stand 06/2026. Dieser Artikel ersetzt keine Beratung in einer Arztpraxis oder Apotheke.

Für eine persönliche Beratung kommen Sie einfach bei uns in der Apotheke auf der Heide in Stolberg vorbei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und helfen Ihnen gerne weiter.

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  1. 1 Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
  2. 2 Angabe nach der deutschen Arzneimitteltaxe Apothekenerstattungspreis (AEP). Der AEP ist keine unverbindliche Preisempfehlung der Hersteller. Der AEP ist ein von den Apotheken in Ansatz gebrachter Preis für rezeptfreie Arzneimittel. Er entspricht in der Höhe dem für Apotheken verbindlichen Abgabepreis, zu dem eine Apotheke in bestimmten Fällen (z.B. bei Kindern unter 12 Jahren) das Produkt mit der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnet. Der AEP ist der allgemeine Erstattungspreis im Falle einer Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen, vor Abzug eines Zwangsrabattes (zur Zeit 5%) nach §130 Abs. 1 SGB V.
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